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Ich-Botschaften Übungen für Jugendliche: Anleitung und Arbeitsblatt

Dauer 15 bis 45 MinutenFür Klasse 7 bis 10, ab 13 Jahren

Diese Seite ist für Lehrkräfte der Sekundarstufe und für Eltern, die mit Jugendlichen üben möchten, Ärger so auszusprechen, dass die andere Person zuhören kann. Sie finden hier vier Ich-Botschaften Übungen für Jugendliche ab Klasse 7, einen Ablauf für eine Schulstunde und ein Arbeitsblatt als PDF. Vorbereitung brauchen Sie keine.

Worum es geht

Der Begriff Ich-Botschaft stammt vom Psychologen Thomas Gordon, der ab den 1960er Jahren Gesprächskurse für Eltern und Lehrkräfte entwickelt hat. Seine Beobachtung: Ein Satz, der mit "du" beginnt und ein Urteil enthält, wird als Angriff gehört. Fast jeder verteidigt sich dann oder schlägt zurück, und die eigentliche Sache gerät aus dem Blick. Eine Ich-Botschaft sagt stattdessen, was geschehen ist und was es mit einem selbst macht. Marshall Rosenberg hat daraus in seiner Gewaltfreien Kommunikation, einer Gesprächsmethode aus den 1990er Jahren, vier Schritte gemacht: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte.

Bei Jugendlichen kommt etwas dazu. Zwischen 13 und 16 zählt das Ansehen in der Gruppe so viel wie selten davor oder danach. Ein Vorwurf vor der Klasse kostet Gesicht, und darauf folgt fast automatisch Gegenwehr oder Rückzug. Gleichzeitig wächst der Wunsch, ernst genommen zu werden und selbst zu entscheiden. Genau dazu passt die Ich-Botschaft: Sie lässt der anderen Person offen, wie sie reagiert, statt ihr ein Urteil überzustülpen.

Oft übersehen wird, dass viele Du-Vorwürfe aus einer Vermutung entstehen. Die Freundin antwortet drei Stunden nicht, der Kopf liefert sofort eine Erklärung, und aus "Sie ist sauer" wird "Du ignorierst mich". Wer Vermutung und Beobachtung auseinanderhalten kann, hat die halbe Ich-Botschaft schon. Deshalb beginnt die Reihe mit einer Vorübung, bei der noch niemand etwas sagen muss.

Die Übungen

Übung 1: Der Wohlwollen-Trick (Vorübung)

Dauer: drei Tage, je zwei Minuten
Material: keins

  1. Die Aufgabe: Immer wenn sich in den nächsten drei Tagen jemand nervig verhält (drängelt an der Kasse, kommt schon schlecht gelaunt ins Klassenzimmer), denkt man sich einen freundlichen Grund aus, warum die Person gerade so ist.
  2. Der Grund muss nicht stimmen. Es geht darum zu merken, dass der Kopf sowieso einen Grund erfindet, und dass man wählen kann, welchen.
  3. Nach drei Tagen kurz besprechen: Hat sich der Ärger verändert, wenn der freundliche Grund da war? Bei wem fiel es schwer?
  4. Überleitung: "Du bist so rücksichtslos" ist meist der unfreundliche Grund, laut ausgesprochen. Die Ich-Botschaft fängt dort an, wo man den Grund weglässt und nur sagt, was man gesehen hat.

In der App ist das die Challenge "Der Wohlwollen-Trick", frei nach der Lektion "Erwartungen und Annahmen".

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Man muss immer das Gute im Menschen sehen", denn dann wird aus einem Experiment eine Moralpredigt, und dabei hören Jugendliche zuverlässig weg.

Übung 2: Der Bauplan

Dauer: 15 Minuten
Material: Tafel oder Arbeitsblatt

  1. Schreiben Sie die vier Bausteine untereinander: Beobachtung (was eine Kamera aufgenommen hätte), Gefühl (ein Wort: genervt, enttäuscht, verunsichert), Bedürfnis (was einem dabei wichtig ist, etwa Verlässlichkeit oder Ruhe) und Bitte (konkret, machbar, ohne "nie wieder").
  2. Füllen Sie den Bauplan gemeinsam mit einem Fall aus Klasse 8: Zwei Schüler bereiten ein Referat vor, einer schickt seinen Teil am Abend vorher nicht. Der Du-Satz wäre "Du bist so unzuverlässig". Mit Bauplan: "Dein Teil ist gestern Abend nicht gekommen (Beobachtung). Ich war ziemlich nervös (Gefühl), weil ich mich auf die Abgabe verlassen wollte (Bedürfnis). Schreib mir das nächste Mal bitte bis 18 Uhr, auch wenn du noch nicht fertig bist (Bitte)."
  3. Lassen Sie den Satz einmal in Alltagssprache sagen, "Ich will mich auf dich verlassen können" reicht.
  4. Jede Person füllt die vier Felder still für einen eigenen kleinen Fall aus. Vorlesen ist freiwillig.

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Jetzt sag es mal richtig", denn der Bauplan ist eine Denkhilfe, kein Prüfungsformat, und sobald er wie eins klingt, benutzt ihn niemand mehr.

Übung 3: Sechs Sätze umbauen

Dauer: 20 Minuten
Material: Arbeitsblatt oder die Sätze an der Tafel

  1. Verteilen Sie die sechs Sätze. Alle stammen aus Schule und Familie, alle fangen mit einem Vorwurf an.
  2. Zu zweit wird jeder Satz zu einer Ich-Botschaft umgebaut. Die Regel: kein "immer", kein "nie", kein Urteil über die Person, dafür ein Gefühl und ein Wunsch.
  3. Im Plenum werden einige Lösungen vorgelesen. Sie achten nur darauf, ob der Satz von der sprechenden Person erzählt oder über die andere urteilt.

Die Sätze mit je einem möglichen Umbau:

  • "Du redest mir ständig dazwischen." Umbau: "Ich war gerade mittendrin und habe den Faden verloren. Lass mich bitte zu Ende reden."
  • "Nie räumst du dein Zeug aus dem Bad." Umbau: "Heute Morgen lag das Handtuch wieder auf dem Boden. Das nervt mich, weil ich das Bad auch benutze. Hängst du es bitte auf?"
  • "Du klaust dauernd meine Stifte." Umbau: "Mein Füller ist seit Dienstag weg, und ich habe ihn bei dir gesehen. Ich hätte ihn gern zurück, und frag mich bitte vorher."
  • "Du bist so unzuverlässig." Umbau: siehe Übung 2.
  • "Ihr lasst mich nie mitentscheiden." Umbau: "Das Wochenende war geplant, bevor ich gefragt wurde. Das hat mich geärgert, weil ich auch dazugehöre. Können wir das nächste Mal zusammen überlegen?"
  • "Du liest ja eh nicht, was ich schreibe." Umbau: "Meine Nachricht von gestern ist noch ohne Antwort, und ich war unsicher, ob etwas ist. Ein kurzes Zeichen reicht mir."

In der App heißt die Lektion dazu "Ich-Botschaften".

Was Sie dabei besser nicht sagen: "So, und jetzt redet ihr zuhause bitte auch so", denn ob und wo jemand die Sätze einsetzt, entscheidet jede und jeder selbst.

Übung 4: Die falsche Ich-Botschaft erkennen

Dauer: 10 Minuten
Material: die Sätze unten, vorgelesen oder an der Tafel

  1. Erklären Sie das Problem: Manche Sätze fangen mit "ich" an und sind trotzdem Vorwürfe. "Ich finde, du bist rücksichtslos" ist ein Urteil mit höflichem Anfang. Auch Wörter wie "ignoriert" oder "übergangen" klingen wie Gefühle, beschreiben aber, was die andere Person angeblich getan hat. Rosenberg nennt sie Pseudogefühle.
  2. Lesen Sie die Sätze vor, nach jedem zeigen alle Daumen hoch (echte Ich-Botschaft) oder Daumen runter (verkleideter Vorwurf): "Ich finde, du bist rücksichtslos." "Ich bin enttäuscht, weil ich auf deine Zusage gebaut hatte." "Ich habe das Gefühl, dass du mich absichtlich ignorierst." "Ich wünsche mir, dass du endlich mal normal wirst." "Mich hat gestresst, dass die Änderung erst um 22 Uhr kam." "Ich fühle mich von dir nicht ernst genommen."
  3. Bei den verkleideten Sätzen fragen: Was wurde beobachtet, was ist Gefühl, was ist Urteil? Aus "nicht ernst genommen" wird zum Beispiel: "Als ich meinen Vorschlag gesagt habe, hat niemand reagiert. Das hat mich verunsichert."
  4. Zum Schluss die Prüffrage festhalten: Könnte die andere Person dem Satz widersprechen? Bei einem Urteil ja, bei einer Beobachtung und einem echten Gefühl nicht.

In der App gibt es diese Sortierübung als Wisch-Spiel in der Lektion "Ich-Botschaften".

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Das war aber keine echte Ich-Botschaft", wenn jemand gerade zum ersten Mal von sich erzählt hat, denn Korrektur in diesem Moment lehrt nur, es nicht wieder zu versuchen.

Fragen, die oft kommen

Ab welchem Alter sind Ich-Botschaften Übungen für Jugendliche sinnvoll?

Die Form selbst lernen schon Grundschulkinder. Ab etwa 13 verändert sich, worum es geht: Jugendliche wollen ernst genommen werden und selbst entscheiden. Die Übungen hier setzen dort an, mit Fällen aus Klasse 7 bis 10 und ohne Satzschablonen, die sich im Flur peinlich anfühlen.

Klingen Ich-Botschaften nicht gekünstelt?

Nur, wenn sie wie aus dem Ratgeber aufgesagt werden. Die vier Bausteine sind eine Denkhilfe, gesprochen wird in der eigenen Sprache. "Ich war mittendrin, lass mich bitte zu Ende reden" ist eine vollständige Ich-Botschaft und klingt wie ein normaler Mensch.

Was, wenn die andere Person trotzdem pampig reagiert?

Eine Ich-Botschaft garantiert keine freundliche Antwort, sie erhöht nur die Chance, dass es um die eigentliche Sache geht und nicht um gegenseitige Vorwürfe. Wer von sich erzählt hat, hat seinen Teil getan.