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Charakterstärken bei Jugendlichen: 5 Übungen für Schule und Zuhause

Dauer 20 bis 45 MinutenFür Klasse 7 bis 10, ab 13 Jahren

Diese Seite ist für Lehrkräfte der Sekundarstufe und für Eltern, die mit Jugendlichen über Stärken sprechen möchten, ohne dass es nach Zeugnis klingt. Sie finden hier fünf Übungen zu Charakterstärken für Jugendliche ab 13, für 20 Minuten Unterricht oder nebenbei zu Hause, dazu ein Arbeitsblatt mit allen 24 Stärken. Alle Übungen stammen aus der LeuchtMensch-App, hier für Erwachsene beschrieben, die sie anleiten.

Worum es geht

Mit Charakterstärken sind nicht Schulfächer oder Hobbys gemeint, sondern die Art, wie ein Mensch an Dinge herangeht: ob er neugierig ist, ehrlich, ob er dranbleibt, wenn es zäh wird. Die Psychologen Christopher Peterson und Martin Seligman haben 2004 eine Liste von 24 solcher Stärken zusammengestellt. Jeder Mensch trägt alle 24 in sich, nur unterschiedlich stark. Die deutlichsten nennt die Forschung Signaturstärken.

Bei Jugendlichen läuft das Thema anders als bei Kindern. Ein Kind nimmt ein Lob wie "du bist so hilfsbereit" einfach an. Eine Vierzehnjährige prüft erst, ob das ernst gemeint ist, und wehrt es oft ab: "Das kann doch jeder." Darin steckt der Kern: Die eigenen Stärken fühlen sich so normal an, dass man sie übersieht. Andere sehen sie früher.

Gleichzeitig festigt sich in diesem Alter das Selbstbild, und Sätze wie "ich bin halt kein Mathemensch" setzen sich fest. Die Psychologin Carol Dweck hat gezeigt, wie viel es ausmacht, ob jemand Fähigkeiten für festgelegt hält oder für etwas, das mit Übung wächst. Übungen zu Charakterstärken wirken bei Jugendlichen deshalb am besten, wenn sie beobachten lassen statt zu bewerten.

Die Übungen

Übung 1: Stärken bei anderen entdecken

Dauer: 15 Minuten
Material: Zettel, Stifte

  1. Erklären Sie den Unterschied: "Lea ist hilfsbereit" ist ein Etikett, "Lea erklärt anderen eine Aufgabe, bis es klick macht" beschreibt, was sie tut. Nur die zweite Form zählt.
  2. Jede Person zieht verdeckt den Namen einer anderen, oder Sie bilden feste Paare.
  3. Alle schreiben in zwei Sätzen auf, was diese Person regelmäßig tut, das ihr leicht von der Hand geht. Kein Aussehen, keine Noten.
  4. Zettel übergeben, still lesen, vorlesen nur freiwillig. Zum Schluss fragen: "Wer hat etwas gelesen und gedacht, das ist doch nichts Besonderes?"

In der App heißt die Lektion dazu "Deine Stärken stehen nicht in deinem Zeugnis".

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Jetzt schreib auch mal etwas Nettes über dich selbst", denn der Blick nach außen soll hier leichter fallen als der nach innen.

Übung 2: 24 Karten, drei Stapel

Dauer: 20 Minuten
Material: Arbeitsblatt mit den 24 Stärken, Schere

  1. Alle schneiden die 24 Karten aus, jede mit dem Namen einer Stärke und einem Satz, wie sie sich im Alltag zeigt.
  2. Die Karten kommen auf drei Stapel: "Das bin ich", "Manchmal", "Eher nicht". Aus dem Bauch, die Stapel dürfen unterschiedlich groß sein.
  3. Aus dem ersten Stapel wählen alle die drei Karten, die sich am meisten nach ihnen anfühlen, ihnen leichtfallen und Energie geben.
  4. Die drei kommen aufs Arbeitsblatt. Wer mag, zeigt sie jemandem, der ihn gut kennt: "Erkennst du mich darin?"

In der LeuchtMensch-App macht das Werkzeug "Stärken-Finder" diese Sortierung digital.

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Also bei dir hätte ich Ehrlichkeit nicht erwartet", denn die Stapel gehören der Person, die sortiert.

Übung 3: Zu leise, passt, zu laut

Dauer: 15 Minuten
Material: Zettel, Stifte

  1. Erklären Sie den Gedanken: Fast alles, wofür man kritisiert wird, ist eine Stärke, deren Lautstärkeregler zu hoch steht. Ordentlich wird pedantisch, ehrlich wird verletzend.
  2. Jede Person wählt eine Stärke und schreibt drei Spalten: "zu leise", "passt", "zu laut". Beispiel Durchhalten: "ich gebe beim ersten Widerstand auf", "ich bleibe dran, bis es läuft", "ich beiße mich fest, obwohl Aufhören klüger wäre".
  3. Dann: Wann stand der Regler in der letzten Woche zu laut, wann hat er gepasst?
  4. Auswertung zu zweit: Woran merke ich, dass der Regler hochrutscht?

In der App heißt die Lektion dazu "Deine größte Stärke nervt die anderen am meisten".

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Siehst du, deshalb sollst du nicht so direkt sein", denn es geht nicht darum, die Stärke leiser zu drehen, sondern zu merken, dass es einen Regler gibt.

Übung 4: Die Noch-Woche

Dauer: 7 Tage, jeweils unter einer Minute
Material: Keines

In der LeuchtMensch-App ist das eine Challenge, eine Aufgabe über mehrere Tage, die täglich abgehakt wird.

  1. Eine Woche lang hört jede Person hin, wann sie "das kann ich nicht" sagt oder denkt, und hängt jedes Mal innerlich ein "noch" dran. Aus "ich kann nicht vor Leuten reden" wird "ich kann noch nicht gut vor Leuten reden".
  2. Machen Sie den Unterschied einmal hörbar: Der erste Satz ist ein Urteil, der zweite ein Zwischenstand.
  3. Wer möchte, macht abends einen Strich für jedes "noch".
  4. Nach sieben Tagen zwei Fragen: Bei welchem Satz hast du dich am häufigsten erwischt? Hat das "noch" irgendetwas an deinem nächsten Schritt geändert?

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Du musst nur wollen, dann klappt es", denn das "noch" soll eine Tür offen halten, keine neue Pflicht aufmachen.

Übung 5: Der blinde Fleck

Dauer: 10 Minuten Einführung, dann eine Woche
Material: Arbeitsblatt oder Zettel

  1. Zeichnen Sie das Johari-Fenster an die Tafel, vier Felder, 1955 von den Psychologen Joseph Luft und Harrington Ingham entwickelt. Das interessanteste Feld: was alle anderen sehen, nur man selbst nicht, der blinde Fleck, in dem genauso oft Stärken stecken wie Macken.
  2. Die Aufgabe für die Woche: drei Menschen, die einen gut kennen, am besten aus Familie, Freundeskreis und Klasse, dieselbe Frage stellen: "Was ist eine Stärke von mir, die ich selbst vielleicht gar nicht sehe?"
  3. Antworten aufschreiben, ohne zu widersprechen. Den "stimmt doch gar nicht"-Reflex zurückzuhalten gehört zur Übung.
  4. Eine Woche später: Was drei Menschen unabhängig voneinander nennen, hat meistens einen wahren Kern.

Was Sie dabei besser nicht sagen: "Ich sag dir gern, was deine Stärken sind", denn die Jugendlichen sollen selbst fragen.

Fragen, die oft kommen

Ab welchem Alter funktionieren die Übungen?

Ab etwa 13 Jahren, also ab Klasse 7. Jüngere Kinder können Stärken benennen, aber die Idee, dass eine Stärke zu laut gedreht nervt oder dass andere etwas über einen wissen, das man selbst nicht sieht, braucht etwas Abstand zu sich selbst.

Muss ich dafür den Charakterstärken-Test machen lassen?

Nein. Der kostenlose Fragebogen zu den 24 Stärken dauert lange, und ein Ergebnis in Listenform lesen Jugendliche schnell als Urteil. Die Karten erreichen dasselbe mit weniger Aufwand.

Was mache ich, wenn jemand sagt, er habe keine Stärken?

Das kommt vor und ist fast nie eine Aussage über die Person, sondern über die Perspektive. Dann hilft die Reihenfolge dieser Seite: zuerst bei anderen schauen (Übung 1), dann fremde Augen ausleihen (Übung 5).