Glücksunterricht in der Sekundarstufe: 10 Übungen für Klasse 7 bis 10
Dauer 2 bis 20 Minuten je ÜbungFür Klasse 7 bis 10, ab 13 Jahren
Diese Seite ist für Lehrkräfte, die Glücksunterricht in der Sekundarstufe geben oder einzelne Stunden dafür nutzen, etwa in der Klassenleiterstunde oder in Ethik. Hier finden Sie zehn kurze Übungen für Klasse 7 bis 10 ohne Vorbereitung und unten eine zweiseitige Übersicht für das Lehrerzimmer als PDF.
Worum es geht
Das Schulfach Glück ist ein Konzept des Fritz-Schubert-Instituts in Heidelberg. LeuchtMensch gehört nicht dazu. Der Begriff Glücksunterricht steht inzwischen allgemeiner für Stunden, in denen Jugendliche lernen, mit sich und miteinander klarzukommen.
Glücksunterricht in der Sekundarstufe braucht andere Formen als in der Grundschule. Was mit Achtjährigen schön ist, das Glücksglas, das Basteln, wirkt in Klasse 8 schnell kindisch, und sobald eine Übung peinlich ist, macht niemand mehr ehrlich mit. Jugendliche brauchen Übungen, die kurz sind, eine echte Frage stellen und nichts erzwingen. Was geschrieben wird, bleibt im Heft. Wer schweigt, hat trotzdem mitgedacht.
Die zehn Übungen stammen aus den Basics-Modulen und den Challenges (kleine Aufgaben für ein paar Tage) der LeuchtMensch-App für Jugendliche ab 13. Dahinter steht frei zugängliche Forschung: die Gesprächsarbeit von Carl Rogers (1950er-Jahre), Carol Dwecks Studien zu Selbstbildern, die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan und die Dankbarkeitsstudie von Emmons und McCullough von 2003.
Die Übungen
Aus Modul 1: Brücken bauen
Übung 1: Zwei Fragen vor der eigenen Geschichte
- Zweiergruppen. A erzählt zwei Minuten von etwas, das gerade beschäftigt. Die Tiefe wählt A selbst, der verpatzte Mathetest reicht.
- B darf weder von sich erzählen noch raten. Erlaubt sind nur Nachfragen ("Und dann?") und am Ende ein Satz in eigenen Worten: "Also geht es dir vor allem darum, dass ...".
- Wechsel.
- Im Plenum: Was war schwerer, zuhören oder zugehört bekommen? Wo wollte das "Bei mir war das auch so" raus?
In der App heißt die Lektion dazu "Richtig zuhören".
Aus Modul 2: Licht und Schatten
Übung 2: Die Noch-Woche
- Alle schreiben einen Satz auf, der mit "Ich kann nicht ..." beginnt. Der Zettel bleibt privat.
- Gemeinsam ein "noch" einbauen: Aus "Ich kann nicht vor Leuten reden" wird "Ich kann noch nicht gut vor Leuten reden". Ein Urteil wird zum Zwischenstand.
- Auftrag für die Woche: Immer wenn der Satz im Kopf auftaucht, innerlich ein "noch" anhängen.
- Nach einer Woche: Bei welchem Satz habt ihr euch am häufigsten erwischt?
In der App heißt die Lektion dazu "„Ich bin halt kein Mathemensch“ ist meistens gelogen". Ausführlich mit Arbeitsblatt: leuchtmensch.de/uebungen/charakterstaerken-jugendliche
Aus Modul 3: Dein innerer Kompass
Übung 3: Sollte laut wem?
- Ein Satz zur Einführung: Bei "ich will" zieht man sich selbst, bei "ich muss" oder "ich sollte" schiebt einen etwas.
- Alle notieren drei Dinge, die sie nur tun, weil man es eben sollte.
- Zu jedem Punkt: Sollte laut wem? Eltern, Freunde, Instagram?
- Dann je Punkt entscheiden: übernehmen (ich sehe es selbst so), umdeuten (einen eigenen Grund finden, etwa Vokabeln für den Sommer in Spanien) oder streichen.
- Freiwillig: ein Beispiel für "umdeuten" vorlesen.
In der App heißt die Lektion dazu "Eine Belohnung kann dir die Lust verderben".
Aus Modul 4: An der Kreuzung
Übung 4: Die Münze in der Luft
- Alle denken an eine echte offene Entscheidung: Wahlfach, Verein weitermachen oder nicht. Nichts wird vorgelesen.
- Kopf heißt Ja, Zahl heißt Nein. Münze werfen und, solange sie fliegt, auf das eigene Gefühl achten: Worauf hoffe ich gerade?
- Ergebnis anschauen. Erleichterung oder Enttäuschung? Das ist die Antwort, nicht die Münze.
- Ab Klasse 9 dazu die Frage der Journalistin Suzy Welch: Wie sehe ich das in zehn Minuten, zehn Monaten, zehn Jahren?
In der App heißt die Lektion dazu "Wirf eine Münze. Aber nicht wegen der Münze."
Aus Modul 5: Dein Leuchtfeuer
Übung 5: Zwei Kuchen
- Fünf Lebensbereiche an die Tafel, nach Hilarion Petzolds Identitätssäulen: Körper und Schlaf, meine Leute, Schule und Leistung, Zuhause und Sachen, was mir wichtig ist.
- Alle zeichnen einen Kreis und teilen ihn so auf, wie eine normale Woche wirklich aussieht. Ehrlich, auch beim Handy.
- Daneben ein zweiter Kreis: Wie hätte ich es gern?
- Der Abstand zwischen beiden ist keine Note, sondern eine Information. Freiwillig: Welches Stück ist seit Monaten zu klein?
In der App heißt die Lektion dazu "Dein Kalender lügt nicht".
Aus den Challenges
Übung 6: Drei Dinge
- Am Ende der letzten Stunde schreiben alle drei Dinge auf, für die sie heute dankbar waren. Kleine Dinge zählen: der Platz am Fenster, ein Lied im Bus.
- Ins Heft, nicht ins Handy. Niemand liest vor.
- Am fünften Tag eine Frage: Hat sich im Lauf der Woche der Blick auf den Tag verändert?
Emmons und McCullough haben 2003 gezeigt, dass solche Notizen die Stimmung messbar heben. Ausführlich mit Arbeitsblatt: leuchtmensch.de/uebungen/dankbarkeit-jugendliche
Übung 7: Der Wohlwollen-Trick
- Situationen sammeln, in denen sich jemand blöd verhält: Drängeln an der Kasse, der Bus fährt vor der Nase weg, eine Lehrkraft motzt beim Reinkommen.
- Auftrag für drei Tage: Sich jedes Mal einen freundlichen Grund ausdenken, warum die Person gerade so ist. Er muss nicht stimmen.
- Dabei beobachten, was mit dem eigenen Ärger passiert.
- Nach drei Tagen: Bei wem war es leicht, bei wem fiel es schwer?
Übung 8: Einmal Nein
- Zweiergruppen. A bittet um etwas Kleines: Hausaufgaben abschreiben, das Ladekabel. B antwortet nur "Nein, das passt für mich nicht." Ohne Begründung.
- B achtet auf den Drang, doch noch etwas zu erklären. Genau dieser Drang ist der Lerninhalt.
- Auftrag: In den nächsten zwei Tagen je einmal so Nein sagen, wo es wirklich nicht passt.
- Nachgespräch: Was ist passiert, nachdem das Nein einfach stehen blieb?
Ausführlich mit Arbeitsblatt: leuchtmensch.de/uebungen/ich-botschaften
Übung 9: Ankommen mit 5-4-3-2-1
- Alle sitzen, Blick frei im Raum. Still für sich fünf Dinge sehen.
- Vier Dinge hören, auch das, was vom Flur kommt.
- Drei Dinge fühlen (Stuhl, Füße am Boden, Stoff am Arm), zwei riechen, eins schmecken.
- Kein Ergebnis abfragen. Höchstens eine Frage: Wie war der Kopf vorher, wie ist er jetzt?
Holt die Aufmerksamkeit aus dem Gedankenkarussell zurück in den Raum und funktioniert auch allein vor einer Klausur.
Übung 10: Muss, sollte, will
- Am Stundenende oder abends drei Dinge des Tages notieren und jedes einordnen: War das ein Muss, ein Sollte oder ein Will?
- Nach drei Tagen zählen: Wovon gab es am meisten, und überrascht das?
- Freiwilliges Gespräch: Wie fühlt sich der Unterschied zwischen Sollte und Will an? Und kann aus einem Sollte ein Will werden, wenn man den eigenen Grund dafür findet?
Passt als Fortsetzung von Übung 3, gern ein paar Wochen später.
Fragen, die oft kommen
Ist das das Schulfach Glück?
Nein. Das Schulfach Glück ist ein eigenes Konzept des Fritz-Schubert-Instituts in Heidelberg mit eigener Ausbildung. Diese Seite ist davon unabhängig und verwendet nichts daraus; die Übungen stammen aus der LeuchtMensch-App.
Für welche Klassenstufe passen die Übungen?
Alle zehn gehen von Klasse 7 bis 10. Zum Einstieg eignen sich die kurzen: 5-4-3-2-1, Drei Dinge, Wohlwollen-Trick. Münze und Kuchen brauchen eine Klasse, die schon einmal still für sich gearbeitet hat, das geht in Klasse 7 genauso wie in Klasse 10.
Was, wenn jemand nicht mitmachen will?
Dann nicht, und das ist in Ordnung. Nichts hier setzt voraus, dass jemand vorliest oder Persönliches preisgibt. Druck ist das Einzige, was diese Übungen sicher kaputt macht.
Die ganze Reihe dazu heißt „Brücken bauen“.
8 kurze Lektionen für Jugendliche, mit Übungen zum Mitmachen. Die erste Lektion ist kostenlos, ohne Konto.
